Outdoor-Sportler*innen kommen und gehen – der Müll bleibt

Die Corona-Pandemie und ihre Einschränkungen haben das Bedürfnis nach Erholung, Bewegung oder sportlicher Herausforderung in der Natur angetrieben. Was viele jedoch nicht wissen: Nicht nur achtlos weggeworfener Müll aus Plastik, Metall oder Glas in der Landschaft stellt ein enormes Umweltproblem dar.

 

Selbst Papiertaschentücher, Bananenschalen oder Kaugummis brauchen schlimmstenfalls zwei bis fünf Jahre, bis sie vollständig verschwunden sind.

„Egal ob man ihn einfach am Wegrand fallen lässt, in weitem Bogen in die Botanik wirft oder ihn in einen hohlen Baumstumpf stopft: Müll in der Natur zurückzulassen, statt ihn wieder mitzunehmen und in einen dafür bereitgestellten Sammelbehälter zu werfen, hat negative Folgen. Es reicht schon, dass wir mit dem Abrieb unserer Sportschuhe und dem Waschen unserer Outdoor-Kleidung jede Menge Mikroplastik in die Umwelt bringen und es von dort nie wieder entfernen können“, macht Susanne Langmair-Kovács, Nachhaltigkeits- und Umweltbeauftragte der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf), deutlich.

Freizeitdruck auf Naturflächen steigt

Ob Wandern, Mountainbiken oder Fußballspielen im Freien: Immer mehr Menschen zieht es nach den Corona-Einschränkungen hinaus in Wälder, auf Berge, an Seen oder einfach nur an die frische Luft. Das ist im Grunde genommen eine erfreuliche Entwicklung – doch müssen sich alle an gewisse Regeln halten, Stichwort: Fairplay. „Dazu gehört auch, spurlos wieder aus der Natur zu verschwinden und nichts zurückzulassen“, mahnt die Expertin. „Kaum jemanden ist bewusst, dass sie/er den Naturraum verschandelt, den sie/er in ihrer/seiner Freizeit nutzt. Vieles passiert aus Unwissenheit und Gedankenlosigkeit, daher hat man dafür den englischen Ausdruck Littering geprägt.“

 

Ende der „Ent-Sorglosigkeit“

Das mengenmäßig größte Problem stellen Verpackungen aus Papier, Plastik, Metall oder Glas dar. Vor allem für Tiere sind Kunststoffflaschen und Aludosen eine große Gefahr. Wenn der Abfall beispielsweise auf der Wiese liegen bleibt oder mitgehäckselt wird – und so beispielsweise ins Futter vom Nutzvieh gelangt – können Tiere qualvoll verenden.

Bekannt ist, dass zerbrochene Glasflaschen durch den Brennglaseffekt und glimmende Zigarettenstummel zu Waldbränden führen können. Weniger geläufig dürfte es sein, dass Zigarettenstummel neben Plastik auch jede Menge Umweltgifte enthalten, die nicht in den Boden und schon gar nicht ins Wasser gelangen sollten.

Quelle: Österreichischer Alpenverein

Selbst Nahrungsmittelreste, die auf dem Komposthaufen oder in der Biotonne gut aufgehoben sind, können in der freien Natur ein Problem darstellen. Je höher man sich im Gebirge befindet, desto länger dauern die natürlichen Abbauprozesse. Sogar Apfelstrünke, von denen man denken würde, dass sie rasch verrotten, bleiben lange als Müll zurück. Das Gleiche gilt für Bananenschalen und Schalen von Zitrusfrüchten. Die natürlichen Obsthüllen brauchen tropische oder zumindest südländische Bedingungen, um abgebaut zu werden.

Für ASVÖ-Präsident Christian Purrer steht daher fest: „Ich achte darauf, schon vor dem Wandern keine Plastikverpackungen und keine Alufolie in meinen Rucksack zu packen; außerdem kommen nur Mehrweg-Utensilien auf die Bergtour mit.“

Ein Kapitel für sich: Papiertaschentücher

Oft werden Papiertaschentücher als Toilettenpapier verwendet. Und das, obwohl zu warmen Jahreszeiten als Alternative Blätter zur Verfügung stehen würden. Taschentücher werden aus Zellstoff hergestellt, also ursprünglich aus Holz. Die Produzenten machen sie jedoch immer reißfester und damit auch widerstandsfähiger sowie langlebiger. Das bedeutet, sie verschwinden frühestens nach einem Jahr von der Bildfläche; im schlimmsten Fall erst nach fünf Jahren. Auch jedes andere Papier hat in der Natur nichts verloren, vor allem dann, wenn es beschichtet ist.  

Sporttrend Plogging

Es gibt also einiges zu tun, wenn unsere Naturlandschaften entlang von Straßen, Freizeitrouten und rund um die Sportvereine optisch attraktiv und ökologisch unversehrt bleiben sollen. Jahr für Jahr sammeln deshalb, vielfach organisiert von alpinen Vereinen, unzähligen Freiwillige in Frühjahrs- oder Herbstaktionen den Unrat ein, den ihre Mitmenschen zurückgelassen haben. In seinem Report „Littering in Österreich“ (2020) weist das Umweltbundesamt für 2018 nicht weniger als 2.774 Flurreinigungsaktionen aus, an denen sich mehr als 163.000 Freiwillige beteiligt haben. Aus Skandinavien herübergeschwappt ist zudem der Sporttrend „Plogging“. Dabei handelt es sich um nichts anderes, als beim Joggen nebenbei Müll aufzusammeln. Die „Plogga-Community“ in Österreich wächst laufend und weiß: Man tut Gutes für die Umwelt, schützt Tiere vor Abfall und bewegt sich intensiv.  

 

Aufklärungskampagnen zur Abfallvermeidung

Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbände rufen den Bürgerinnen und Bürgern regelmäßig ins Gedächtnis, dass sie sich nicht wie „Dreckspatzen“ verhalten oder keine „Mistkerle“ sein sollen. Und bei so gut wie allen Natur- und Umweltschutz-NGOs gehört es zum guten Ton, sich Projekte und Maßnahmen zur Vermeidung von Littering auszudenken. Der Bogen reicht von Programmen und Studien über breit angelegte Aufklärungskampagnen bis hin zu Beschilderungen vor Ort. „Es kann also wirklich niemand behaupten, er hätte das alles nicht gewusst!“, ist sich Langmair-Kovács sicher.

 

LINK-TIPPS:

umwelt.naturfreunde.at/respect-nature/
Nähere Infos zum Projekt „Respect Nature“ der Naturfreunde und Bestellmöglichkeit für ein kostenloses „Zrucksackerl“, mit dem Abfälle im Rucksack gefahrlos nach Hause mitgenommen werden können.

www.global2000.at/dreckspotz
App von Global 2000 zum Download, mit der Müllfunde erfasst werden können und so Daten für den Report „Müll in der Natur“ gesammelt werden, plus weitere Infos rund ums Littering.

Susanne Langmair-Kovács, Nachhaltigkeits- und Umweltbeauftragte der Österreichischen Bundesforste AG, begeistert sich schon von Kindesbeinen an für Wald und Natur. Die Kommunikationswissenschafterin und Philologin befasst sich journalistisch schon seit Langem mit Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die spannenden und vielfältigen Themen der ÖBf inmitten toller Kolleginnen und Kollegen bewegen Langmair-Kovács seit 1998.

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