„Die größte Pandemie ist eine andere“

Felix Gottwald ist einer der erfolgreichsten Nordischen Kombinierer aller Zeiten und ist nun Vortragender, Trainer und Coach, Obst- und Gemüse-Zulieferer, Mitbetreiber eines Bewegungsstudios für ältere Menschen, Familienvater. Eines ist er immer geblieben: ein kritischer Geist.

„Es war eine lehrreiche, eine intensive und auch eine besondere Zeit“, sagt Felix Gottwald, wenn er an seine Karriere als Nordischer Kombinierer zurückdenkt – und er fügt an: „Das deckt sich ganz gut mit der Zeit jetzt. Ich würde sagen der Blick zurück ist eher ein Nützen der Erfahrungen des Weges, den ich gegangen bin. Als Sportler lernst du damit zu leben, dass es keine Garantien, keine Sicherheit gibt. Auf einfache Weise mein Bestes zu geben hat früher geholfen und tut das auch heute. Alle Goldmedaillen im Team sind unvergessen, wie auch jene, die wir nicht gewinnen konnten. Der Einzel-Olympiasieg in Turin war für mich schon der Beweis, was mit der passenden Einstellung und mit freudvollem, konsequentem Handeln möglich ist. Was bleibt sind gemeinsame Erlebnisse und ein Erfahrungsschatz, der sich mit jedem Tag erweitert. Und von den Freundschaften, die bis heute halten, ist keine selbstverständlich. Sie bleiben die größten Erfolge …“

Am 12. März jährt es sich zum zehnten Mal, dass Gottwald, heute 45, erfolgreichster österreichischer Wintersportler aller Zeiten, bei den Olympischen Spielen (3 Gold/1 Silber/3 Bronze), sein letztes Weltcuprennen bestritten hat, zu diesem Zeitpunkt aber bereits wusste, wie es weitergehen würde. Zehn Tage später hielt er seine ersten Impulstage in der Therme Loipersdorf – knapp 300 öffentlich zugängliche Seminar- und Trainingstage folgten bis 2017 – er übersiedelte mit seinem Team dann für weitere zwei Jahre in ein ehemaliges Kloster in Niederösterreich. Gottwald ist heute beruflich vielschichtig aufgestellt, beispielsweise Mitgesellschafter beim Frische-Start-up ichplus.at, worauf er stolz ist: „Wir können dank unserer Partner Frutura und der österreichischen Post sowohl Unternehmen als auch jeden Haushalt in ganz Österreich auf direktestem Weg mit frischem Obst und Gemüse versorgen, plastikfrei und CO2-neutral.“ Seit knapp einem halben Jahr betreibt er das Bewegungsstudio Feelgood in seiner alten Heimat in Zell am See. Zwölf automatisierte Geräte unterstützen insbesondere ältere Menschen, Menschen, die sich von einer Krankheit erholen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen – „das sind wir übrigens alle!“ – ihr physisches und psychisches Wohlbefinden zu erhalten oder wiederzuerlangen.

Wann immer es sein musste hat Kombinierer Gottwald die Stimme erhoben und mit seinen Aussagen im Weltcup oder bei anderen Großereignissen aufhorchen lassen. Ein kritischer Geist ist er geblieben, wenn man so will, in der Tradition eines Toni Innauer. Und so findet er deutliche Worte, um die Situation des österreichischen Sports zu beschreiben. „Wir Österreicher stehen in Sachen ‚gesunde Lebensjahre‘ leider ganz schlecht da. In Österreich liegen diese bei 57 Jahren, im EU-Schnitt bei 63,5 Jahren und Schweden ist mit 73 Jahren unser aller Vorbild, das sagt die Eurostat-Statistik. Für eine echte Bewegungskultur in unserem Land müssen wir vom Reden ins Tun kommen. Es scheitert weder an Konzepten noch am Geld. Mein erster Eindruck aus Gesprächen mit unserem Sport- (und leider noch nicht Bewegungs- und Sport-) Minister Werner Kogler ist, dass die grundsätzlich weltweite und damit auch in Österreich größte Pandemie – nämlich jene des Bewegungsmangels! – zwar bekannt ist, dass aber die Politik dem nicht enden wollenden reaktiven Modus nicht entfliehen kann. Auch deshalb habe ich mich entschlossen, meinen Beitrag als Kommissionsmitglied für Breitensport in der Bundes Sport GmbH zu leisten."

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